Bioenergie-Weserbegland

Zukunft nicht allein der Politik überlassen

07.01.2015

Neue Veranstaltungsreihe ,,Das Land ernährt die Stadt? - Die Zukunft der Regionen" ist gestartet


Bilder: Sie gaben lmpulse für eine Diskussion im Zuge der Auftaktveranstaltung zur Reihe ,,Das Land ernährt die Stadt? - Die Zukunft der Regionen": Christoph Hallmann-Böhm (links) und Moderator Probst a. D. Wolf von Nordheim.

Südkreis/Loccum. ,,Es geht darum, Akteure, Fachleute und -gruppen zusammenzuholen, um die Zukunft nicht allein der Politik zu überlassen", begrüßte Christoph Hallmann-Böhm als pädagogischer Mitarbeiter der Evangelischen Heimvolkshochschule die Teilnehmer zum ersten,,Sonntagsgespräch". So heißt eine neue gemeinsame Veranstaltungsreihe der evangelisch-lutherischen Kirchenkreise Nienburg und Stolzenau-Loccum und der Loccumer Heimvolkshochschule.
,,Energiegewinnung der Zukunft" stand über dem Auftakt der Reihe, die sich mit dem Untertitel ,,Das Land ernährt die Stadt?" beschäftigt. Moderiert wurde der Auftakt von Probst a.D. Wolf von Nordheim, der Iange in der EKD zuständig zeichnete für Fragen des ländlichen Raums. Und weil einst zu seinem Bereich als Gemeindepastor auch das Dorf Jühnde gehörte - das bundesweit bekannt wurde als Vorreiter in der dezentralen Energieversorgung mit Bürgerbeteiligung (auf Basis von Biomasse wird dort etwa doppelt so viel Strom erzeugt, wie der Ort selbst verbraucht) - gab von Nordheim auch immer wieder Diskussionsimpulse. ,,Denn es ist ein unglaubliches Gefühl, sich unabhängig zu machen", unterstrich er. Die gemeinschaftliche Entwicklung alternativer Energien und beinhalte gute Chancen, ,,aber man kann das auch verkorksen".
Landwirte, Vertreter der Landwirtschaftskammer und einiger weiterer Einrichtungen und Institutionen waren nach Loccum gekommen. ,,Ich habe als Landwirt ständig das Gefühl, wieder den falschen Weg gewählt zu haben", schilderte beispielsweise der Liebenauer Landwirt Kronenberg seine Einschätzung. Als er auf Ferkelhaltung gesetzt habe, sei er als ,Tierquäler" abgestempelt worden, und mit der Biogasanlage, die in einer Dreier-Gemeinschaft betrieben wird, gehöre man zu denen, die die, "Vermaisung" der Landschaft und die hohen Landpreise zu verantworten hätten. ,,Ich könnte meinen Töchtern derzeit nicht empfehlen, Landwirt zu werden."
Einige Teilnehmer waren der Auffassung, dass zum einen nicht genug informiert werde oder nicht genug lnformationen zur Verfügung stünden. Dem widersprach Hans-Jürgen Hesse, Projektleiter bei der ,,BioenergieRegion Weserbergland plus": ,,Wir haben mehrere Studien angefertigt und wissen sehr genau, was hier los ist, wie viel Mais angebaut wird, und auch, wie viel davon zum Beispiel Futtermais ist."
Kritisiert wurde von einem Teilnehmer mit Blick auf den Besuch einer Biogasanlage die Aussage des Betreibers, dass sich ,,das nur lohnt, weil es subventioniert wird". Das habe ihn nachdenklich gemacht. Hesse nannte Zahlen: So würden derzeit im gesamten. Landkreis Nienburg 43 Biogasanlagen betrieben. Wobei heute die Wärmenutzungskonzepte stärker in der Vordergrund gerückt seien. Und Bio-Energie werde auch im heimischen Raum mittlerweile als Regel-Energie eingesetzt. Doch ein anderer Aspekt sei wichtig, so Hesse: ,,Bei der Energie, die wir selbst erzeugen,
bleibt das Geld in der Region." Für vier Landkreisen, die die Region,,Weserbergland plus" bilden, seien das 44 Millionen Euro Gewinn aus erneuerbaren Energien. Davon falle rund die Hälfte allein auf den Landkreis Nienburg. ,,Da steckt Wertschöpfung dahinter!"
,,Zwei Stunden an einem Nachmittag verändern nicht die Welt, aber sie können einen Anfang darstellen, um etwas zu bewegen', unterstrich Wolf von Nordheim abschließend. Das nächste,,Sonntagsgespräch ist für den 8. Februar vorgesehen. An dem Sonntag - der dann auch wieder unter der Überschrift steht ,,Das Land ernährt die Stadt? - Die Zukunft der Regionen" geht es zwischen 14 und 16 Uhr um das Thema,,Milcherzeugung und Milchmarkt". Ais Referent wird der Winzlarer Landwirt Eberhard Mysegades erwartet. Interessierte Gäste sind in der Heimvolkshochschule dazu willkommen.

Quelle: Die Harke, 07.01.2015

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